

Zur besseren Unterhaltung empfehle ich, dies nach dem Lesen von Unbechenbare Liebe in Cedarwood Beach zu lesen.
Andy und Kyle
Bonus-Epilog von Unberechenbare Liebe in Cedarwood Beach
Andy
Zwei Jahre später
„Meinst du, alle warten bereits zu Hause auf uns?“, fragte Kyle, der auf dem Rücksitz saß.
„Natürlich tun sie das. Du glaubst doch nicht wirklich, dass sie das verpassen wollen?“ Ich blickte in den Rückspiegel und lächelte meinen Mann an.
Kyle strahlte über das ganze Gesicht, und wenn ich nicht gerade am Steuer meines Wagens gesessen hätte, hätte ich mich in seinem strahlenden Lächeln und dem freudigen Ausdruck in seinen Augen vollkommen verlieren können.
Heute begann ein neues Kapitel in unserem Leben, doch statt nervös oder gestresst zu sein, war ich überglücklich und in einem positiven Sinne aufgeregt.
Als wir durch die Stadt fuhren, winkte uns jeder zu, der uns kannte, und reckte neugierig den Hals, um einen Blick ins Innere des Autos zu erhaschen. Und obwohl ich es normalerweise nicht mochte, der Mittelpunkt von Klatsch und Tratsch zu sein, machte es mir diesmal überhaupt nichts aus.
Ich lenkte das Auto in die Einfahrt unseres großen Familienhauses und wie vermutet stand die ganze Familie draußen auf der Veranda und wartete auf uns.
Yaya stand neben Dad und seiner Freundin. Nathan, Luke und Charlie waren mit ihren besseren Hälften da. Dawson, der zwischen Summer und Maya stand, hatte jeweils einen Arm um meine Töchter gelegt.
Ich parkte das Auto vor dem Haus, stieg aus, öffnete die hintere Autotür und Kyle stieg mit unserem neuen Sonnenschein auf dem Arm aus. Nicht, dass Kyle nicht mehr mein Sonnenschein war. Das war er und würde es auch immer sein. Er war mein Ein und Alles.
Wir stiegen die Stufen zur Haustür hinauf. Summer war die Erste, die sich Kyle näherte und über die Beine unseres kleinen Jungen strich.
„Oh mein Gott, ist er süß.“
Summer hatte sich in den vergangenen zwei Jahren zu einem selbstbewussten, für ihr Alter viel zu weisen jungen Mädchen gemausert, das fast so groß war wie Kyle.
Kyle lächelte sie an und Summer trat zur Seite.
„Hallo, alle zusammen. Darf ich vorstellen, das ist Bo.“ Kyle drehte sich so, dass die ganze Familie unseren Sohn in Augenschein nehmen konnte.
Yaya und Dad winkten dem kleinen Bo zu. Nathan und sein Freund standen Schulter an Schulter und lächelten Nathans kleinen Bruder an. Maya berührte Bos Hand und gab ihm einen leichten Nasenstüber, woraufhin Bo kicherte.
„Bo ist zwei Jahre alt und ab heute offiziell ein Brady-Karagiannis“, sagte ich voller Stolz.
„Armes Kind“, gluckste Nathans Freund und Nathan lachte.
Ich rollte mit den Augen, aber es war schwer, finster zu gucken, wenn man unsagbar glücklich war.
Die Adoption war ein langer Prozess gewesen. Doch rückblickend kam es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass wir uns dazu entschlossen hatten. Dabei lag der Tag der Antragstellung ein Jahr zurück. Ich würde gerne sagen, dass uns keine Zweifel heimsuchten wegen unserer Entscheidung. Doch in dem Moment, als wir Bo erblickten, waren sie wie weggefegt.
„Bo hat noch nicht sein erstes Wort gesprochen, was absolut in Ordnung ist. Also fangt nicht an, euch Sorgen zu machen, okay?“, sagte Kyle, und alle nickten.
Luke und sein Verlobter begrüßten Bo, bevor sie sich einander zuwandten.
„Ich hätte auch gerne eines Tages ein Kind mit dir. Was hältst du davon?“, fragte Luke.
„Das würde mir gefallen, mein Prinz“, erwiderte Lukes Verlobter.
„Die Vorgaben, wann ein Kind welchen Entwicklungsstand haben muss, sind sowieso Unsinn. Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo. Paul hat seine ersten Worte erst mit drei Jahren gesprochen. Er war einfach sprechfaul“, erklärte Yaya.
„Faul? Ich würde es eher verwirrt nennen. Ich wusste nicht, ob ich Griechisch oder Englisch sprechen sollte“, verteidigte mein Vater seine Sprechfaulheit und alle lachten.
„Was denkt ihr, ist Bo bereit, seine Cousine kennenzulernen?“ Leo trat mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm aus dem Haus und die Familie machte den Weg frei.
„Hi, Bo“, sagte Leo, als er mit seinem eigenen kleinen Wonneproppen neben Kyle stand. „Schön, dich kennenzulernen. Ich bin dein Onkel Leo und das ist deine Cousine, Iris.“
Bo lächelte und betrachtete Iris interessiert. Dann streckte er die Hand aus und streichelte ihre Wange und meine Familie stieß ein kollektives Oh, wie süß aus.
Melody gesellte sich zu uns nach draußen, ihr Babybauch wölbte sich gut sichtbar.
Iris war acht Monate alt und nachdem Melody das schönste Geschenk, das sie Leo und Dawson je machen konnte, zur Welt gebracht hatte, hatte sie beschlossen, dass sie nicht mehr auf den richtigen Mann warten wollte, um ihre eigene Familie zu gründen.
Es war verrückt und unfassbar, wie sich unser Leben in den letzten drei Jahren verändert hatte, seit Leo nach Hause gekommen war. Es gab viele neue Kapitel im Leben der Familie Karagiannis.
Da waren Leo und Dawson mit ihrer kleinen Tochter.
Mein Vater und seine Freundin.
Mein Sohn und meine Brüder mit ihren Partnern.
Melody und ihr ungeborenes Kind.
Kyle und ich und Bo.
Ich muss gestehen, dass ich es nie für möglich gehalten hatte, wie sehr sich mein Leben zum Guten wenden würde. Bevor ich Kyle traf und ich mich in ihn verliebte, hatte ich geglaubt, dass die besten Jahre hinter mir lagen, doch Kyle hatte mir gezeigt, dass sie noch vor mir liegen.
„Kommt, lasst uns reingehen. Bo hat bestimmt Hunger. Ich habe ihm ein ganz besonderes Yaya-Kindergericht zubereitet“, sagte Yaya.
„Genau wie sein Daddy“, fügte ich hinzu. Kyle hatte stundenlang in der Küche herumgewerkelt, um Essen für Bo zu machen.
„Das ist kein Wettbewerb.“ Kyle zwinkerte Yaya zu, die herausfordernd eine Augenbraue hob. „Okay, ein bisschen schon“, korrigierte er sich kichernd.
„Wird das eigentlich jemals aufhören?“, meldete sich Charlie zu Wort. „Ich meine, Kyle, du bist echt ein cooler Schwager und ich liebe dich wie einen Bruder, aber nichts für ungut, Yaya hat dir alles beigebracht, was du übers Kochen weißt, also ist sie offensichtlich die bessere Köchin.“
Kyle schnappte theatralisch nach Luft und alle anderen lachten.
„Ja, aber er hat es geschafft, die sture Frau davon zu überzeugen, dass wir alle in der Lage sind, ihre Küche zu benutzen, ohne sie in Brand zu setzen“, fügte Dad hinzu und klopfte Kyle auf den Rücken. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir jemals im Leben selbst ein Frühstück zubereiten darf ohne Strafandrohung.“
„Ach, haltet doch alle die Klappe. So schlimm bin ich gar nicht“, erwiderte Yaya und kitzelte Bo am Hals, was ihn wieder zum Kichern brachte.
„Doch, das bist du“, sagten alle unisono.
Kyle reichte Bo an Yaya weiter und warnte sie, dass er zu schwer für sie sein könnte, aber sie hatte in ihrem Leben schon so viele Babys auf dem Arm gehabt, dass das eher unwahrscheinlich war.
Yaya nahm Bo an sich, und Kyle folgte ihr nach drinnen, zusammen mit dem Rest der Familie.
„Und, wie fühlt es sich an?“ Evelyn klopfte mir leicht auf den Rücken. „Zum vierten Mal Vater zu werden?“
„Beängstigend“, gestand ich. Evelyn legte ihren Kopf schief und sah mich mit einem fragenden Blick an.
„Beängstigend? Es wird also nicht einfacher, je mehr man hat?“
„Auf keinen Fall. Ich bin fünfundvierzig, gehe auf die sechsundvierzig zu und muss einen zweijährigen Jungen großziehen, der vielleicht autistisch ist und über dessen Herkunft nichts bekannt ist. Ich habe Angst, alles falsch zu machen und es zu vermasseln, oder dass mir etwas zustößt und ich Kyle mit der Erziehung unseres Sohnes allein lasse.“ Ich versuchte es leichthin zu sagen, aber das Gewicht der Worte war real.
„Ich bin sicher, sein Patenonkel kann ihm beibringen, was es heißt, chinesisch-amerikanischer Abstammung zu sein, und der Rest ergibt sich …“
„Ja, ich weiß. Es ist auch nicht so, dass die Angst überwiegt. Es ist eher so, dass ab und an ein Gedanke auftaucht, der in diese Richtung geht, aber er bleibt nie lange. Der Großteil dessen, was ich empfinde, ist Aufregung und Freude, diesen nächsten Schritt mit Kyle an meiner Seite zu tun. Wir werden dieses Kind gemeinsam aufziehen und ihm all unsere Liebe geben.“
„Du wirst das toll machen, Andy. Dessen bin ich mir zu tausend Prozent sicher. Du hast ja sogar mich dazu gebracht, dich ein bisschen zu mögen.“
Ich hob eine Augenbraue.
„Echt jetzt? Nur ein bisschen?“
„Na ja, es muss ja noch etwas Luft nach oben bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass du meinem Sohn noch mal wehtust, mag gering bis nicht vorhanden sein, aber ich werde weiterhin ein wachsames Auge auf dich haben. Also streng dich an, damit aus dem bisschen mögen ein ich mag dich wird.“ Sie stieß mich mit dem Ellbogen an und eilte laut lachend Richtung Küche zu ihrem Sohn und Enkelkind.
Ich sah ihr hinterher und drückte die Haustür zu.
Mein Blick fiel auf Lucys Bild, das zusammen mit Bildern der alten und neuen Familie an der Wand hing.
Ihr Lächeln war wunderschön und liebevoll. Der Blick in ihren Augen wohlwollend und zustimmend.
Es war, als würde sie neben mir stehen und mir ihre Kraft und ihre Liebe gebenund sagen: Ich freue mich für euch alle. Und ich wache über jeden Einzelnen von euch.
Ich wischte mir eine Träne aus dem Augenwinkel und gesellte mich zum Rest meiner Familie. Summer. Nathan. Maya. Bo und Kyle.
Kyle, der mein Leben auf den Kopf gestellt … der mein trauerndes Herz mit Liebe gefüllt und mir gezeigt hatte, dass es mehr als ein Happy End im Leben gab.
Für alle, die glauben, dass es da draußen nur einen einzigen Seelenpartner gibt und das Leben vorbei ist, wenn das Schicksal ihn euch nimmt … hört nie auf, nach eurem eigenen Kyle zu suchen.